Wir über uns
Das Gestüt Bönniger wurde 1964 von Hans Georg Bönniger gegründet. Seine Schwester Marlies Stassen (geb. Bönniger) bat 1976 ihren Sohn Ludwig Stassen, zum Buschhof zu ziehen, um ihren Bruder zu unterstützen; diesem Auftrag kam er 15 Jahre lang nach. So erlernte er von Beginn an die Pferdehaltung und -zucht. In dieser Zeit absolvierte er die Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker und zum Agraringenieur. 1997 verstarb der Gründer; seitdem wird das Gestüt Bönniger von Dipl.-Ing. agr. Ludwig Stassen geleitet. Seine Kinder Esther und Michael Stassen haben in Bonn Agrarwissenschaften studiert und ihren Master erfolgreich abgeschlossen.
Die Früchte von Studium, Arbeit, Zucht und Ausbildung am Gestüt Bönniger zeigen sich darin, dass einige der erfolgreichsten Dressurponys der Welt, wie Golden Dancer und Dornik B, von hier stammen und weiterhin hier gezüchtet werden. Neben der Pflege der etablierten „D“-Linie wurde die Zucht gezielt auf den internationalen Ponysport ausgerichtet. Insgesamt waren bereits 29 Sportponys, darunter Dacapo B NRW, bei Europameisterschaften erfolgreich. Zur Vorbereitung auf dieses Ziel kamen die gekörten Nachkommen sowie die erfahrenen Deckhengste – damals Dornik B, aktuell Deinhard B – sowohl beim Natursprung im Rheinland als auch bei den jungen Nachwuchsreitern zum Einsatz. 25 Reiter wurden gefördert wovon 17 Europameister wurden.
Vom Buschhof über die Brieftauben zu Dornik B
Wenn Besucher nach dem Spiegel am Buschhof fragen, erzähle ich ihnen zunächst die Familienüberlieferung.
Die drei Kronen erinnern an die alte Schutzmacht Köln, die vier Fenster an die Evangelisten und die zwölf Zinnen an die Apostel. Als Kinder hörten wir außerdem die augenzwinkernde Geschichte, dass man im Ernstfall nicht mit dem Handy die Polizei anrief sondern den Vierkanthof verschloss und Brieftauben nach Köln zur Hilfe schickte – deren Nachkommen heute noch auf der Domplatte auf eine Antwort warten.
Für meinen Onkel Hans Georg Bönniger blieb es allerdings nicht bei dieser Geschichte.
Die Brieftauben weckten seine Neugier. Er begann selbst Brieftauben zu züchten und stellte schnell fest, dass der Brieftaubensport etwas Besonderes war: Fast jedes Wochenende lagen objektive Ergebnisse vor. Die schnellsten Tauben gewannen. Gute Verpaarungen ließen sich über Jahre verfolgen. Erfolge oder Misserfolge waren nicht eine Frage von Meinungen, sondern konnten anhand der Ankunftszeiten und der Platzierungen gemessen werden.
Noch als Minderjähriger gewann er mit seinen Tauben Preisgelder. Wichtiger als das Geld war für ihn jedoch die Erkenntnis, dass konsequente Linienzucht, sorgfältige Auswahl und genaue Leistungsbeobachtung den Zuchterfolg nachhaltig verbessern konnten.
Diese Denkweise übertrug er später auf die Reitponyzucht.
Während bei Pferden oft Jahre vergehen, bis sich der Erfolg einer Anpaarung beurteilen lässt, hatte er bei den Brieftauben gelernt, systematisch zu beobachten, Ergebnisse zu dokumentieren und aus statistisch belastbaren Leistungsdaten die richtigen Schlüsse zu ziehen.
So entstand nicht nur eine erfolgreiche Zuchtphilosophie, sondern schließlich auch Hengste wie Dornik B, dessen Name wiederum an den Ort Dornick erinnert, an dem seine Eltern sich kennengelernt hatten.
Wenn ich heute darüber nachdenke, begann die Erfolgsgeschichte von Dornik B vielleicht nicht erst mit einem Pony, sondern mit einem Jungen, der fasziniert den Brieftauben beim Heimflug zusah und begriff, dass gute Zucht kein Zufall ist, sondern aus Beobachtung, Geduld und konsequentem Lernen entsteht.
Ecksteine, die andere verworfen hatten
Mein Onkel Hans Georg Bönniger entwickelte seine Zuchtphilosophie nicht zufällig.
Schon als Jugendlicher lernte er im Brieftaubensport, dass Zucht vor allem Beobachtung bedeutet. Dort liegen jede Woche objektive Ergebnisse vor. Gute Verpaarungen setzen sich durch, andere verschwinden wieder. Dieses schnelle Lernen prägte sein Denken.
Später übertrug er diese Erfahrung auf die Reitponyzucht. Dort dauerte es zwar Jahre, bis sich eine Anpaarung beurteilen ließ, doch das Prinzip blieb gleich: nicht dem Zeitgeist folgen, sondern Eigenschaften erkennen, die andere übersahen.
Er suchte deshalb nicht nach vollkommenen Pferden, sondern nach außergewöhnlichen Eigenschaften.
So erwarb er in England den Hengst Downland Valentino, der dort trotz seines hervorragenden Exterieurs keine Anerkennung fand, weil sein Vollblutanteil die damaligen Zuchtvorgaben überschritt.
Aus den Niederlanden kam Dandy, dessen außergewöhnliche Weißzeichnung einer Anerkennung im Wege stand, dessen Sporteigenschaften jedoch außer Zweifel standen. Aus dieser Linie entwickelte sich später die erfolgreiche D-Linie, die schließlich zu Dornik B führte.
Auch Eckley, mit dem mein Onkel Sulky fuhr, brachte Eigenschaften mit, die in der damaligen Zucht nicht überall erwünscht waren. Gerade diese genetische Besonderheit trug jedoch später dazu bei, dass über Golden Dancer die begehrte goldene Palominofarbe in der Zucht erhalten und weiterentwickelt werden konnte.
Ein Versprechen am Sterbebett
Als mein Onkel Hans Georg Bönniger im Sterben lag, war er durch Krebs und die fortgeschrittene Parkinson-Erkrankung nicht mehr in der Lage zu sprechen. An seinem Bett versprach ich ihm, seine Zucht weiterzuführen.
Dieses Versprechen war leichter gegeben als eingelöst.
Nach meinem Studium war ich wegen Familie und Beruf mehrere Jahre nicht mehr täglich auf dem Buschhof. Zuvor hatte ich dort etwa fünfzehn Jahre mitgearbeitet, doch gerade in den letzten fünf Jahren seines Lebens fehlte mir die Möglichkeit, seine züchterischen Überlegungen unmittelbar mitzuerleben. Vieles, was er plante, nahm er mit ins Grab.
Ich hatte ihn einmal gebeten, mir einen Friesen zu züchten.
Er tat etwas ganz anderes.
Er züchtete mit Friesen. Er nutzte ihre Eigenschaften, kreuzte sie gezielt ein und arbeitete über mehrere Generationen daran, daraus leistungsfähige Sportponys zu entwickeln. Er sprach davon, dass ein solches Zuchtziel vier Generationen brauche. Als er starb, waren erst zwei Generationen erreicht.
Noch rätselhafter war für mich Gwenduline B, eine Tochter von Golden Dancer aus einer Warmblutstute meiner Cousine.
Bei der Erbauseinandersetzung bestand ich darauf, gerade diese Stute zu übernehmen. Ich sagte damals:
„Ohne sie werde ich das Gestüt nicht weiterführen.“
Ich glaubte, in ihr den Schlüssel zu den Gedanken meines Onkels gefunden zu haben.
Aus der Anpaarung mit Dornik B entstand später Deinhard B, der sich sportlich außergewöhnlich entwickelte. Ich bin überzeugt, dass er seinen berühmten Vater noch hätte übertreffen können, wäre er nicht bereits im Alter von sechzehn Jahren verstorben.
Viele Jahre später erfuhr ich jedoch die ganze Geschichte.
Golden Dancer hatte sich selbst aus seiner Box befreit und die Warmblutstute gedeckt. Trotz aller Versuche ließ sich die Bedeckung nicht verhindern.
Was ich jahrzehntelang für den Höhepunkt der züchterischen Planung meines Onkels gehalten hatte, war in Wirklichkeit ein Zufall. Als verantwortungsbewusster Hengsthalter fühlte er sich verpflichtet, für dieses ungeplante Fohlen einzustehen und dessen weitere Entwicklung zu begleiten.
Das hat meinen Blick verändert.
Nicht jede erfolgreiche Linie beginnt mit einem genialen Plan. Manche beginnt mit einem unerwarteten Ereignis – und mit der Bereitschaft eines guten Züchters, darin eine Chance zu erkennen.
Vielleicht lag genau darin die eigentliche Stärke meines Onkels.
Er konnte unterscheiden zwischen Zufall und Potenzial.
Den Zufall konnte er nicht beeinflussen.
Das Potenzial erkannte er.
Der erste Deinhard B – Warum Geduld manchmal die beste Zuchtentscheidung ist
Mit Deinhard B machte ich eine Erfahrung, die mich bis heute prägt.
Er war ein Julifohlen und damit fast ein halbes Jahr jünger als viele seiner Konkurrenten. Aus diesem Grund verzichtete ich bewusst auf die Hauptkörung im November im Rheinland und stellte ihn erst im Dezember bei der westfälischen Körung vor. Ich rechnete damit, dass er vielleicht den dritten Platz erreichen und ein positives Körurteil erhalten würde.
Es kam ganz anders.
Noch während der Körung wurden mir Kaufangebote gemacht, die etwa dreimal so hoch waren wie der Kaufpreis des Körungssiegers.
Trotzdem erhielt Deinhard B keine Körung.
In diesem Moment hätte man leicht glauben können, die Körkommission habe richtig gelegen oder ich hätte mich in dem Hengst getäuscht.
Ich entschied mich jedoch gegen einen schnellen Verkauf.
Ich vertraute meiner eigenen Einschätzung und gab ihm Zeit.
Erst als Sechsjähriger verkaufte ich ihn.
In den Jahren dazwischen absolvierte er eine hervorragende Hengstleistungsprüfung, gewann mehrere Championate und wurde Doppel-Europameister.
Sein späterer Verkaufspreis lag um ein Vielfaches höher als die Angebote unmittelbar nach der Körung.
Diese Geschichte hat mich gelehrt, dass eine Körung zwar eine wichtige fachliche Bewertung ist, aber eben nur eine Momentaufnahme eines jungen Pferdes darstellt.
Ein spätreifes Pferd kann sich völlig anders entwickeln als ein frühreifes.
Rückblickend war nicht entscheidend, dass Deinhard B zunächst nicht gekört wurde.
Entscheidend war, dass seine tatsächliche sportliche Leistung später objektiv messbar wurde.
Und genau das war letztlich überzeugender als jede Prognose.
Zeit als züchterischer Faktor
Aus all diesen Erfahrungen habe ich für meine eigene Zucht eine Konsequenz gezogen.
Wenn ich erkenne, dass ein Fohlen ein Spätentwickler ist, gebe ich ihm bewusst mehr Zeit.
Nicht, weil ich eine bessere Prognose abgeben könnte als andere.
Sondern weil ich vermeiden möchte, dass ein Pferd allein aufgrund seines Entwicklungsstandes zu früh beurteilt wird.
Ein negatives Urteil im falschen Zeitpunkt kann einen Hengst oder eine Stute ein Leben lang begleiten. Umgekehrt verliert niemand etwas, wenn einem talentierten Pferd einige Monate oder ein Jahr mehr Zeit gegeben wird, sein Potenzial zu zeigen.
Davon profitieren letztlich alle Beteiligten:
- das Pferd, weil es entsprechend seiner Entwicklung beurteilt wird,
- die Züchter, weil wertvolle Genetik nicht vorschnell verloren geht,
- die Körkommission, weil ihre Entscheidung auf einer besseren Grundlage erfolgt,
- und der Sport, weil außergewöhnliche Pferde eine faire Chance erhalten.
Vielleicht ist das die wichtigste Lehre, die ich aus den Erfolgen und Enttäuschungen meiner Familie gezogen habe:
Geduld ist kein Zeichen von Unsicherheit. Manchmal ist sie die Voraussetzung für ein gerechtes Urteil.
Mein Onkel erkannte häufig Potenzial, das andere noch nicht sahen. Ich habe daraus gelernt, dass Zeit in der Pferdezucht nicht nur ein Kostenfaktor ist, sondern ein züchterisches Instrument. Wer einem Spätentwickler die nötige Zeit gibt, entscheidet nicht gegen den Fortschritt – sondern zugunsten einer besseren Beurteilung.
Manche Fohlen laufen früh voraus. Andere bleiben lange im Schatten ihrer Herde. Wer nur den Frühesten auswählt, findet oft den Sieger des Tages. Wer auch den Stillen Zeit gibt, entdeckt manchmal den Champion von morgen.
Dennoch wurde bis jetzt schon jedes zweite Sportpony unserer Europonys gekört und das war uns wichtig, weil unsere guten Sportponys von erfolgreichen Vererbern kamen, denn "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm".
Anmerkung zur neuen Zuchtordnung
Die neue verbindliche Zuchtordnung stellt auch das Gestüt Bönniger vor erhebliche Einschränkungen. Ich respektiere, dass ein Zuchtverband Regeln benötigt und Verantwortung für die Entwicklung einer Population trägt. Dennoch erfüllt mich die zunehmende Schließung züchterischer Wege mit Sorge.
Das Deutsche Reitpony, wie wir es heute kennen und schätzen, ist selbst das Ergebnis einer Zuchtgeschichte, die von Offenheit gegenüber unterschiedlichen genetischen Einflüssen geprägt war. Diese Offenheit war kein Gegensatz zu einer zielgerichteten Zucht, sondern eine ihrer Voraussetzungen.
Die Geschichte unseres Gestüts liefert dafür einige Beispiele.
Downland Valentino fand seinen Weg aus England in die deutsche Reitponyzucht, nachdem seine Abstammung dort nicht in die damaligen Vorgaben passte. Hans Georg Bönniger erkannte in ihm jedoch Eigenschaften, die er für die Entwicklung des Reitponys für wertvoll hielt.
Eckley brachte wiederum Eigenschaften mit, die andernorts einer Anerkennung entgegenstanden. In unserer Zucht konnte er dennoch Einfluss nehmen und unter anderem die weitere Entwicklung von Golden Dancer mitprägen.
Auch Dandy entsprach mit seiner auffälligen Zeichnung nicht überall dem damaligen Ideal. Hans Georg Bönniger interessierte weniger, was an diesem Hengst nicht in ein bestehendes Schema passte. Er sah seine sportlichen Eigenschaften. Aus diesem Hengst entwickelte sich schließlich eine für unser Gestüt außerordentlich erfolgreiche D-Linie. Diese Erfahrungen haben unsere Zuchtphilosophie geprägt.
Hans Georg Bönniger suchte nicht nach Abweichungen, die zum Ausschluss führen mussten. Er suchte nach Eigenschaften, die für ein langfristiges Zuchtziel wertvoll sein konnten. Manches, was andere als Schwäche oder unerwünschte Abweichung betrachteten, wurde dadurch zum Baustein späterer Erfolge.
Natürlich ist dieser Weg mit Risiken verbunden. Nicht jede ungewöhnliche Anpaarung führt zum Erfolg. Neue genetische Kombinationen können zunächst Vorteile zeigen und in den folgenden Generationen neue züchterische Herausforderungen mit sich bringen. Gerade deshalb braucht eine verantwortungsvolle Zucht Erfahrung, Geduld, Selektion und mehrere Generationen. Früher bestand zumindest ein Weg, auf dem sich eine solche Zucht über Generationen bewähren konnte. Eine Stute konnte sich über Vorbuch, Stutbuch und Hauptstutbuch aufgrund ihrer eigenen Qualität und der Qualität ihrer Nachkommen weiterentwickeln. Die Zucht erhielt damit die Möglichkeit, eine zunächst ungewöhnliche Entscheidung später an ihren tatsächlichen Ergebnissen zu messen.
Ich frage mich, ob dieser Weg unter den neuen Regelungen noch ausreichend offensteht.
Denn eine Zuchtordnung muss notwendigerweise mit dem Wissen der Gegenwart arbeiten. Zucht dagegen richtet sich auf eine Zukunft, die noch niemand vollständig kennen kann.
Vielleicht liegt genau darin das Spannungsverhältnis.
Regeln können Qualität sichern und Fehlentwicklungen begrenzen. Werden sie jedoch so eng, dass ungewöhnliche genetische Wege von vornherein ausgeschlossen werden, können sie möglicherweise auch Entwicklungen verhindern, deren Wert erst eine spätere Generation erkennen würde.
Die Geschichte unserer Zucht hat mich deshalb eine gewisse Vorsicht gegenüber endgültigen Urteilen gelehrt.
Man gelangt nicht als Entdecker zu einem neuen Kontinent, wenn man auf der ersten vorgelagerten Insel beschließt, dass hinter dem Horizont nichts mehr kommen darf.
Wenn wir als Gestüt Bönniger heute von Erfolgen bei Bundeschampionaten und Europameisterschaften berichten, sehen wir die glänzende Seite dieser Geschichte. Die andere Seite bestand immer aus Unsicherheit, aus Irrwegen, aus nicht anerkannten Pferden und aus der Entscheidung, gelegentlich einem Tier oder einer züchterischen Idee mehr Zeit zu geben, als andere ihr zugestehen wollten.
Vielleicht sollte deshalb auch eine moderne Zuchtordnung nicht nur bewahren, was sich bereits bewährt hat.
Sie sollte genügend Raum lassen für das, was sich erst noch bewähren muss.
Manchmal führt der Umweg zum Ziel
Auch die Geschichte des Gestüts Bönniger verlief nicht ohne menschliche Konflikte.
Nach meiner Erinnerung entstand mit dem damaligen Vorsitzenden des Rheinischen Zuchtverbandes, Herrn Ense, eine erhebliche persönliche Verstimmung im Zusammenhang mit dem später so erfolgreichen Deinhard B. Ich empfand die damaligen Gespräche über einen möglichen Verkauf und die Bewertung unserer Zucht als problematisch und entschied mich deshalb gegen das Geschäft.
In der Folge verlor ich das Vertrauen in eine unvoreingenommene Bewertung unserer Ponys im Rheinland. Ob meine Wahrnehmung objektiv zutraf, möchte ich rückblickend nicht beurteilen. Für mein eigenes Handeln zog ich jedoch eine klare Konsequenz: Ich stellte zeitweise keine Stuten mehr zur Eintragung vor, untersagte die Werbung mit Dornik B und konzentrierte meine Förderung auf Nachkommen unserer Zucht außerhalb des rheinischen Verbandes.
So entstand ein merkwürdiger Umweg.
Während unsere Zucht ihre Wurzeln im Rheinland hatte, förderte ich westfälisch registrierte Hengste und junge Reiter über Jahre hinweg bis in den internationalen Sport. Schließlich standen bei einer Europameisterschaft vier goldfarbene Ponys unserer Zucht für die deutsche Equipe im Einsatz.
Dieser Augenblick gehörte für mich zu den schönsten Erfolgen unserer Zucht.
Nicht allein wegen der vier Palominos.
Hinter jedem dieser Ponys stand ein eigenes Team. Es bedeutete etwa fünf Jahre Arbeit, Nachwuchsreiter zu unterstützen, geeignete Kombinationen von Pony und Reiter zu finden und ihre Entwicklung über Verbandsgrenzen hinweg zu begleiten. Ohne diese Förderung wären manche dieser Wege vermutlich anders verlaufen.
Ich erinnere mich an eine Begegnung mit Herrn Maarens beim Bundeschampionat. Vor der Prüfung fragte er mich:
„Glauben Sie, dass White Gold B heute gewinnt?“
Ich antwortete:
„Kann sein, muss aber nicht. Ich habe höhere Ziele.“
Er gewann die Prüfung.
Aber genau das hatte ich mit meiner Antwort gemeint: Der Sieg an diesem Tag war schön, doch mein eigentliches Ziel lag Jahre weiter entfernt. Später gehörte auch er zu jener Generation erfolgreicher Ponys, die den Weg bis auf die internationale Bühne fand. Nach dem Tod von Herrn Ense änderte sich die Situation. Ich sagte Herrn Spoo, dass für mich inzwischen andere Prioritäten galten und rheinisch registrierte Ponys selbstverständlich wieder ihren Platz in meiner Zucht haben konnten.
Kurz darauf erhielt der lackschwarze Hengst Gematus Niger aus unserer Zucht ein positives Körurteil.
Mancher mag damals geglaubt haben, mein neues Zuchtziel sei nun die Farbe Schwarz.
Aber so einfach war es natürlich nicht.
Ich arbeitete züchterisch weiterhin an Rot.
Das Schwarze hatte lediglich etwas anderes möglich gemacht:
Ich konnte wieder im eigenen Zuchtgebiet züchten, ohne einen alten Konflikt weiterführen zu müssen.
Zwischen zwei Verbänden
Nach meinem Konflikt mit Herrn Ense zog ich mich nicht vollständig aus der rheinischen Pferdezucht zurück. Ich blieb Mitglied im Kreispferdezuchtverband, auch wenn mein Verhältnis zum Rheinischen Pferdestammbuch distanzierter geworden war.
Bei einem Bundeschampionat überließ ich einem Vorstandsmitglied des Rheinischen Pferdestammbuches sogar die Entscheidung, welches unserer Ponys er reiten wollte: den gekörten und rheinisch gebrannten Golden-Dancer-Sohn Genesis B oder den westfälisch registrierten White Gold B.
Die Verbindung bestand also weiterhin. Seine Tochter Annabel war zuvor bereits mit meinem braunen Flamenco Star Europameisterin geworden.
Dennoch hatte mich mein eigener Weg inzwischen ein wenig zwischen die Welten geführt.
Im Rheinland gehörte ich nicht mehr ganz dazu.
In Westfalen wurden unsere Ponys erfolgreich vorgestellt und gefördert, aber deshalb war ich noch lange kein Westfale.
Als White Gold B schließlich beim Bundeschampionat gewann, hätte Herr Maarens als westfälischer Zuchtleiter sagen können:
„Das ist ein schöner Erfolg für uns Westfalen.“
Stattdessen soll er zu den Umstehenden gesagt haben:
„Damit wird sich Herr Stassen sicher freuen.“
Dieser Satz ist mir in Erinnerung geblieben.
Vielleicht hatte Herr Maarens verstanden, dass White Gold B zwar einen westfälischen Brand trug, seine Geschichte aber nicht an einer Verbandsgrenze begann.
Und vielleicht war das am Ende auch meine eigene Position:
Im Rheinland nicht mehr ganz zu Hause, in Westfalen nie wirklich angekommen – aber dort zu Hause, wo unsere Ponys erfolgreich waren beim Preis der Besten und auf der Euro.
„Wie aus einem Guss“
Auf der Equitana hatten wir einmal ein Schaubild mit der Überschrift „Wie aus einem Guss“. Es zeigte, was Hans Georg Bönniger mit seiner Linienzucht über Generationen erreichen wollte: nicht identische Ponys, sondern eine möglichst verlässliche Vererbung bestimmter Eigenschaften und eines erkennbaren Typs.
Als Dornik B nach der Europameisterschaft in England gemeinsam mit „meiner goldenen Equipe“ verabschiedet wurde, meinte eine Fotografin beim Anblick der Ponys: „Die sehen ja aus wie geklont.“
Ganz richtig war das natürlich nicht. Klonen wäre eine genetisch identische Vermehrung; unsere Ponys waren das Ergebnis generativer Fortpflanzung und gezielter Linienzucht. Aber das Ergebnis war offenbar überzeugend genug, um selbst Fachleute kurzzeitig zu irritieren.
Das zeigte sich bei der Europameisterschaft auf besonders amüsante Weise.
Nachdem White Gold B seine Prüfung absolviert hatte, wollte der Steward das nächste deutsche Pony zunächst nicht in die Prüfung lassen. Er war überzeugt, dieses Pony gerade schon gesehen zu haben. Die Reiterin musste ihm erklären, dass nun Danilo vor ihm stand.
Beim nächsten unserer goldenen Ponys begann das Problem von Neuem. Und auch bei den folgenden Starts von Golden Derano C und Deinhard B musste erklärt werden, dass es sich tatsächlich um verschiedene Ponys handelte.
Irgendwann zweifelte der Steward offenbar weniger an den Reiterinnen als an seinem eigenen Urteilsvermögen. Schließlich fragte er die deutsche Bundestrainerin Frau Endres, nach welchen Kriterien sie eigentlich ihre Mannschaft zusammengestellt habe.
Ihre Antwort, mit einem Augenzwinkern: „Nach Farbe.“
Vielleicht war das die kürzeste denkbare Erklärung für viele Jahrzehnte Zuchtarbeit.
Denn natürlich waren diese Ponys nicht wegen ihrer Farbe in der deutschen Equipe. Die Farbe war eher eine kollaterale Nebenwirkung der Linienzucht bei dem Bemühen Golden Dancer nachzuzüchten.
Aber wenn nach Generationen gezielter Zucht vier erfolgreiche Ponys so ähnlich vor einem Steward stehen, dass er sie kaum auseinanderhalten kann, dann bekommt die alte Überschrift plötzlich eine ganz eigene Bedeutung:
„Wie aus einem Guss.“
Denn : Der Züchter kann das einzelne Ergebnis nicht bestellen. Er kann aber über Generationen dafür sorgen, dass man irgendwann seine Handschrift erkennt, ohne seinen Namen lesen zu müssen das B als Suffix reicht aus.
Anmerkung zur Zucht im Gestüt Bönniger
In unserer Zucht haben wir stets versucht, genetische Vielfalt und genetische Qualität miteinander in Balance zu halten. Um nicht zu eng zu züchten, wurden bei unseren Reitponys über Generationen Gene aus sieben verschiedenen Rassen zusammengeführt. Hans Georg Bönniger besaß eine besondere Gabe dafür, in unterschiedlichen genetischen Herkünften jene Eigenschaften zu erkennen, die sich sinnvoll ergänzen konnten.
Entscheidend war dabei jedoch nie allein die Einkreuzung neuer Gene. Diese mussten anschließend wieder mit den erfolgreichsten Sportponys unserer eigenen Zucht verbunden und über Generationen selektiert werden. Insbesondere Golden Dancer und Dornik B bildeten dafür wichtige züchterische Ecksteine. So konnten aus den notwendigen „Zwischenprodukten“ einer langfristigen Zuchtentwicklung schließlich erfolgreiche Sportponys entstehen.
Die Genetik brachte dabei manchmal auch erfreuliche „kollaterale Nebenwirkungen“ hervor.
Über Golden Dancer fielen in unserer Zucht viele Palominos. Besonders gefreut haben wir uns deshalb über den Anblick, als bei einer Europameisterschaft gleich vier goldfarbene Ponys aus unserer Zucht für die deutsche Equipe antraten.
Mit der Linie von Dornik B kamen dagegen vermehrt Füchse hinzu. Mit Adriano B, Derano B, Dacapo B, Dornier B, Derbino B und Barbarossa B haben wir inzwischen eine ganze Reihe erfolgreicher „Roter“ gezüchtet – und weitere werden hoffentlich folgen. Denn züchterisch arbeiten wir weiterhin an der schwierigen Aufgabe, für einen Vererber wie Dornik B würdige Nachfolger zu finden.
Sollte uns eines Tages mit den Füchsen gelingen, was wir mit unseren Palominos bei Europameisterschaften erleben durften, könnten wir uns anschließend einer neuen Herausforderung widmen:
den Rappen mit Championatsqualität.
Denn nach all den Jahrzehnten ernsthafter Zuchtarbeit wäre es doch eine schöne, augenzwinkernde Vorstellung, wenn das Gestüt Bönniger irgendwann auch farblich erfolgreich wäre in:
Schwarz – Rot – Gold.
Menschen ändern sich selten – Strategien schon
Mein späterer Zuchtleiter, Herr Spoo, war für mich ein hervorragender Ponykenner. Er erkannte Qualität oft früher als viele andere. Ich wusste aber auch, dass er bei der Körung den Nachkommen von Dornik B besonderes Vertrauen schenkte. Diese Erfahrung floss in meine Überlegungen ein. Bei seinem letzten Körtermin vor dem Ruhestand stellte ich den Hengst Dark Delight B vor. Biologisch war die Situation nicht eindeutig. Nach der Bedeckung durch Dornik B hatte der jüngere Hengst Helios B die Stute noch einmal nachgedeckt. Dieses Nachdecken jüngerer Hengste ist in der Pferdezucht ein bewährtes Verfahren, um deren Befruchtungschancen der älteren Vererber wieder zu erhöhen. Deshalb ließ ich vorsorglich eine genetische Abstammungsuntersuchung veranlassen. Da das Ergebnis zum Zeitpunkt der Körung noch nicht vorlag, wurde Dark Delight B zunächst als Sohn von Dornik B vorgestellt. Er erhielt das Körurteil. Erst anschließend bestätigte die Genanalyse, dass tatsächlich Helios B der Vater war. Die Abstammung wurde daraufhin ordnungsgemäß berichtigt und der Zuchtname in Helios Delight B geändert.
Aus dieser Begebenheit habe ich erneut etwas gelernt. Menschen urteilen niemals völlig losgelöst von ihren Erfahrungen. Jeder von uns bringt Erwartungen, Vorlieben und unbewusste Prägungen mit. Ich kann diese Prägungen nicht verändern. Aber ich kann sie kennen und meine Entscheidungen daran ausrichten – solange ich dabei transparent bleibe und die objektiven Tatsachen, wie hier die genetisch nachgewiesene Abstammung, selbstverständlich korrigiere. Für mich ist das keine Manipulation, sondern eine Form strategischen Denkens.
Wer Menschen führen oder mit Institutionen zusammenarbeiten will, muss nicht nur die Sache verstehen, sondern auch die Menschen, die über sie entscheiden.
Was nach 30 Jahren bleibt
In dreißig Jahren verändert sich vieles. Als ich mit der Zucht begann, war der Natursprung noch Standard. Die Züchter kamen mit ihren Stuten und später mit den Fohlen zu uns auf das Gestüt. Dadurch entstand etwas, das heute durch die künstliche Besamung weitgehend verloren gegangen ist: ein unmittelbarer Austausch zwischen Menschen, Pferden und Generationen.
Ich hörte den Züchtern zu, wenn sie mir ihre Zuchtentscheidungen erklärten. Ich sah die Fohlen unserer Deckhengste, verglich meine eigene Einschätzung mit den Bewertungen auf den Schauen – Gold, Silber, Bronze oder Tagessieger – und konnte so meine Wahrnehmung immer wieder an der Wirklichkeit überprüfen.
Und ich hatte eine weitere Möglichkeit: Ich konnte die Nachkommen unserer Hengste selbst beobachten und die vielversprechendsten erwerben. So kaufte ich im Laufe der Jahre etwa 140 Fohlen.
Später begegnete man sich wieder. Aus den Fohlen waren Sportponys geworden. Beim Bundeschampionat lag unser Schwerpunkt auf den fünf- und sechsjährigen Dressurponys – als Vorbereitung auf die späteren Championate in Deutschland und Europa.
Ein besonders schöner Moment war für mich ein Preis der Besten, bei dem sich unter den Plätzen eins bis elf zehn Nachkommen unserer Deckhengste befanden: fünf Ponys, die unmittelbar aus unserem Gestüt kamen, und fünf weitere aus den Zuchten unserer Züchter.
Heute ist diese Welt eine andere. Durch die künstliche Besamung sind wir bei vielen Züchtern nicht mehr persönlich präsent. Die unmittelbare Verbindung ist schwächer geworden, und auch in der Menge haben wir nicht mehr die Bedeutung von damals.
Was aber bleibt, sind die Erinnerungen – und vor allem die Lehren.
Deshalb habe ich mich besonders gefreut, als bei einem Bundeschampionat unter drei Nachkommen von Helios B unser Dark Delight B die Goldmedaille gewann und sein Halbbruder Herzkönig Bronze.
Dahinter stand noch eine kleine gemeinsame Geschichte.
Der spätere Besitzer von Herzkönig hatte seinerzeit eigentlich Dark Delight B kaufen wollen – damals noch in der Annahme, er sei ein Sohn von Dornik B. Nach Klärung der Abstammung konnte und wollte ich ihn ihm jedoch nicht als solchen verkaufen: Dark Delight B war schließlich ein Sohn von Helios B. Sein Argument, er könne mein Zuchtprodukt besonders gut fördern, änderte daran nichts.
Er kaufte daraufhin einen anderen Sohn von Helios B.
Und er hielt sein Wort: Er förderte dieses Pony hervorragend.
Dass er lange nicht verstand, warum ich ihm damals Dark Delight B nicht überlassen hatte, begleitete unser Verhältnis bis zum Bundeschampionat. Dort standen schließlich unsere beiden Helios-B-Söhne als Konkurrenten voreinander.
Ich sagte zu ihm sinngemäß:
„Bitte ärgern Sie sich nicht mehr über die Vergangenheit. Bemühen Sie sich, Ihren Helios-B-Sohn zum Ruhme seines Vaters so gut zu präsentieren, wie wir es mit unserem tun. Lassen wir keinen anderen zwischen uns kommen – und möge der Bessere gewinnen.“
Am Ende gewann Dark Delight B Gold und Herzkönig Bronze.
Vielleicht liegt gerade darin eine der schönsten Erfahrungen aus dreißig Jahren Zucht: Man muss nicht dasselbe Pony besitzen, um am selben Erfolg Anteil zu haben.
Denn an diesem Tag standen nicht zwei alte Meinungsverschiedenheiten auf dem Platz. Dort standen zwei Söhne desselben Vaters – hervorragend gefördert von zwei verschiedenen Menschen.
Einer gewann Gold, einer Bronze. Gewonnen hatte aber vor allem Helios B.
Und vielleicht auch eine Form von Zucht, bei der Konkurrenz nicht bedeuten muss, dass man gegeneinander arbeitet. Manchmal genügt es, keinen anderen zwischen sich kommen zu lassen – und dann den Besseren gewinnen zu lassen.
Nachspiel: Das teuerste Eis, das ich nie bekommen habe
Unsere letzte Begegnung hatte ich mit diesem Interessenten wieder auf dem Bundeschampionat. Ein Sohn von Dornik B hatte sich für das Finale qualifiziert, und wieder wollte er einen Dornik-B-Sohn von mir kaufen, um ihn weiter zu fördern.
Diesmal gab es an der Abstammung nichts zu klären: Es war tatsächlich ein Dornik-B-Sohn.
Trotzdem wollte ich nicht verkaufen. Zum einen hatte sich der Interessent für mich inzwischen nicht unbedingt als der beste Förderer erwiesen. Viel wichtiger war mir aber etwas anderes: Ich hatte meiner Reiterin versprochen, ihr mit diesem Pony die Chance zu geben, den Weg bis zu einer Europameisterschaft zu versuchen.
Der Kaufinteressent war von seiner Sache überzeugt. Er versicherte mir, mit Dacapo B werde er schon im kommenden Finale eine Medaille gewinnen. Gleichzeitig erklärte er ebenso bestimmt, dass wir mit unserem Weg niemals die Europameisterschaft erreichen würden.
Meine Reiterin stand dabei.
Also fragte ich ihn, ob wir wenigstens ein Eis von ihm spendiert bekämen, falls wir es entgegen seiner Prognose doch zur Europameisterschaft schaffen sollten.
Das sagte er uns zu.
Er schimpfte noch darüber, dass ich sein Geld ausschlug – praktisch für ein Speiseeis – und zog davon.
Das Pony blieb bei seiner Reiterin und bekam seine Chance.
Nur das versprochene Eis habe ich bis heute nicht bekommen.
Vielleicht ist das im Rückblick eine meiner liebsten kleinen Zuchtgeschichten. Denn manchmal liegt der Wert einer Entscheidung nicht in dem Geld, das einem jemand auf den Tisch legt, und auch nicht in der Medaille, die er einem verspricht.
Manchmal liegt er einfach darin, einem Menschen die Chance zu lassen, die man ihm einmal versprochen hat.
Und wenn es gut ausgeht, kann ein nicht bezahltes Speiseeis am Ende eine sehr schöne Erinnerung sein.
Die Geschichte der Förderung von Reittalenten am Gestüt Bönniger
Der Ponysport für Jugendliche endet mit 16 Jahren in der FEI Dressur und mit 18 beim Bundeschampionat. Um die Deckhengste im Ponysport präsentieren zu können, ist das Gestüt auf gut reitende Jugendliche angewiesen, die die ausgebildeten Reitponys mit der richtigen Reiterhilfe vorstellen. Vor 1998 wurden die Hengste Derano Gold und Golden Dancer an bereits erfolgreiche Reiter und Trainer weitergegeben, wie zum Beispiel Hintenlang mit Trainer Scholten aus Frankfurt und Jana Kuhn mit Trainerin Damen aus Aachen. Während dieser Zeit befanden sich die Deckhengste nicht im Gestüt in Tönisvorst. Daher wurden 1998 die Deckstuten zu Golden Dancer nach Aachen transportiert, was einer Gesamtstecke von 140.000 km entsprach. Diese Vorgehensweise war sehr aufwendig, was zur Entscheidung führte, die Deckhengste direkt vom Gestüt aus in den Sport zu schicken, damit die Stuten dort gedeckt werden konnten. Da vor Ort keine Reiter als Europameister vorhanden waren, war der Erfolg nicht garantiert. Dennoch führten eine gute Auswahl der Reiter und deren Unterstützung schnell zu Erfolgen. Es läßt sich an kleinen Herausfordungen schnell erkennen, wer sich eignet für ein “win-win” System und wer nur kreativ in Ausreden ist.
Bis 2025 wurden vom Gestüt 25 Reiter gefördert, von denen 17 mit Ponys vom Gestüt Bönniger Europameister wurden. Das Gleichnis der anvertrauten Talente bot uns Orientierung, denn wer sich mit einem kleinen Ponytalent bewährt hatte (z.B. Dusty B, Forestina B), dem konnten wir ein wertvolles FEI-Pony (Dornik B) anvertrauen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichnis_von_den_anvertrauten_Talenten
Anmerkung zur Namenspolitik im Gestüt Bönniger
Auch Namen können im Sport unerwartete praktische Folgen haben.
Ursprünglich orientierten sich die Namen unserer selbst gezogenen Ponys am Anfangsbuchstaben des jeweiligen Vererbers. Da ein wesentlicher Teil unserer erfolgreichen Zucht auf Dandy und der daraus entstandenen D-Linie beruhte, trugen entsprechend viele Bönniger Ponys Namen mit dem Anfangsbuchstaben „D“.
Was züchterisch die Zugehörigkeit zu einer erfolgreichen Linie sichtbar machte, entwickelte sich im Sport zunehmend zu einem organisatorischen Problem.
Bei Championaten und anderen Prüfungen, bei denen die Startreihenfolge nach den Pferdenamen festgelegt wurde, starteten unsere Ponys häufig unmittelbar hintereinander. Solange nur ein oder zwei Bönniger Ponys teilnahmen, war das unerheblich. Als jedoch mehrere unserer Sportponys gleichzeitig auf hohem Niveau vorgestellt wurden, fehlte den Trainern zwischen den Starts die notwendige Zeit, um jedes Pony und jede Reiterin gleichermaßen gut vorzubereiten.
Der Erfolg der Zucht hatte damit sein eigenes logistisches Problem geschaffen.
Wir begannen deshalb bereits nach 1990, die Namen teilweise durch vorangestellte Zusätze wie Golden, Flying oder Black zu ergänzen. Dadurch verteilten sich die Ponys in den Starterlisten, ohne dass ihre züchterische Herkunft verloren ging.
Später entwickelten wir dieses Prinzip weiter. Da die sportliche Namensgebung nicht zwingend an den Anfangsbuchstaben des Vaters gebunden war, erhielt nach 2020 möglichst jeder neue Jahrgang einen anderen Anfangsbuchstaben.
In der internen Zuchttradition konnte die Abstammung dennoch sichtbar bleiben – manchmal mit einem kleinen sprachlichen Augenzwinkern.
So wurde aus Adonis B in unserer Zuchtsprache „Der Adonis“. Bei Deinhard B, einem Sohn von Helios B und Enkel von Der Harlekin B, wurde daraus entsprechend „Herr Deinhard B“.
Was zunächst wie eine Spielerei mit Namen erscheinen mag, hatte also einen sehr praktischen Hintergrund.
Heute kann beispielsweise Frau Meyer-Biss mit Barbarossa B und Ophier B in derselben Prüfung mit ausreichendem zeitlichem Abstand starten, obwohl auch hinter diesen Ponys letztlich die gemeinsame züchterische Geschichte der Dandy-Linie steht.
So hat sich im Laufe der Jahrzehnte auch unsere Namensgebung verändert.
Bei der späteren Namensgebung kam ein weiterer, nach außen weniger sichtbarer Gesichtspunkt hinzu. Ich bevorzugte seltene, aber bedeutungsvolle Begriffe und Namen, häufig mit Bezug zur Antike. Ein ungewöhnlicher Name hatte im beginnenden Internetzeitalter einen erheblichen Vorteil: Wer ihn suchte, fand sehr schnell das betreffende Bönniger Pony. Während andere für Aufmerksamkeit bezahlen mussten, sorgte bei uns bereits der Name für Unverwechselbarkeit und eine gute Position in den Suchergebnissen.
So wurde der Name eines Ponys zugleich Abstammungshinweis, Organisationsmittel und Marke.
Ein guter Name muss nicht laut rufen. Es genügt, wenn kein anderer antwortet, wenn nach ihm gefragt wird.
Aber:
Google wusste sofort, welches Pony gemeint war. Der Turniersprecher manchmal erst nach dem dritten Versuch.
Ausbildung und Sozialisation unserer Reitponys
Im Gestüt Bönniger versuchen wir, die Ausbildung unserer Ponys möglichst früh auf eine natürliche soziale Kompetenz aufzubauen. Durch Herdenhaltung und wechselnde, sorgfältig zusammengestellte Gruppen lernen bereits die Fohlen, sich innerhalb einer Gemeinschaft zu orientieren und ihre eigene Position realistisch einzuschätzen.
Die erste und vielleicht wichtigste Erziehungsarbeit übernehmen dabei nicht wir Menschen. Sie erfolgt durch die Mutterstuten, ältere Verwandte und andere erfahrene Mitglieder der Herde. Junge Pferde lernen auf diese Weise Grenzen, Nähe und Distanz sowie die Folgen ihres eigenen Verhaltens zunächst innerhalb ihrer eigenen sozialen Gemeinschaft kennen.
Der Mensch tritt früh hinzu, sollte diese natürliche Erziehung aber nach meinem Verständnis nicht ersetzen.
In den ersten Lebenstagen mache ich die Fohlen behutsam mit meiner körperlichen Überlegenheit und meinem Einfluss vertraut. Wenn ich ein Fohlen beispielsweise kurz hochhebe oder festhalte, erlebt es zunächst eine Situation, der es sich aus eigener Kraft nicht vollständig entziehen kann. Entscheidend ist für mich jedoch, was es anschließend lernt: Ich setze es wieder sicher ab, füge ihm keinen Schaden zu und beende die Situation verlässlich.
So soll aus der Erfahrung menschlicher Überlegenheit nicht Angst entstehen, sondern Vertrauen in einen berechenbaren Umgang. Unser Leitmotiv ist: Wir möchten unseren Ponys nicht vorschreiben, wie sie funktionieren sollen. Wir möchten immer besser verstehen, wie gute Verständigung mit ihnen funktioniert – und dieses Wissen weitergeben.
Gleichzeitig beruht diese frühe Begegnung auf Gegenseitigkeit. Während das Fohlen lernen muss, mir zu vertrauen, muss auch ich darauf vertrauen können, dass seine Mutter meine Nähe akzeptiert und mich nicht als Gefahr für ihr Fohlen betrachtet. Die Grundlage dafür wurde meist bereits lange zuvor durch unseren Umgang mit der Stute geschaffen.
Auf dieser Basis beginnt für mich die eigentliche Ausbildung.
Neue Situationen sollen möglichst so vermittelt werden, dass das Pony neugierig und ansprechbar bleibt. Ziel ist nicht, jede Stressreaktion vollständig zu vermeiden – das wäre weder realistisch noch für die Entwicklung sinnvoll. Das Pony soll vielmehr lernen, mit neuen Reizen und einer gewissen Anspannung umzugehen, ohne dass Angst und Fluchtreaktionen die Kommunikation überlagern.
Die Ausbildung folgt damit einem einfachen Gedanken:
Ein Pony soll den Menschen respektieren, ohne ihn fürchten zu müssen, und ihm vertrauen, ohne seine eigene Handlungsfähigkeit zu verlieren.
Je besser diese Grundlage gelingt, desto feiner kann später die Kommunikation werden. Aus körperlicher Einwirkung werden Hilfen, aus Hilfen werden Signale und im besten Fall entsteht schließlich eine Verständigung, bei der immer weniger Einwirkung notwendig ist.
Für mich bedeutet eine zukunftsfähige Ausbildung deshalb nicht, ein Pony möglichst früh zu beherrschen. Sie soll ihm vielmehr die Fähigkeit vermitteln, in der Herde, mit dem Menschen und später unter dem Reiter neue Situationen einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren.
Gerade bei sehr nervösen oder hochsensiblen Ponys kann ein über längere Zeit aufgebautes Vertrauen zu einer wichtigen Entscheidungshilfe werden. Das Pony muss eine neue Situation nicht sofort selbst vollständig beurteilen können. Es kann sich zunächst am Verhalten eines vertrauten Menschen orientieren: Wenn mein Gefährte ruhig bleibt und mir signalisiert, dass diese Situation zu bewältigen ist, kann auch ich mich darauf einlassen, meine Anspannung reduzieren und auf eine Fluchtreaktion verzichten.
Vertrauen ersetzt dabei nicht die eigene Wahrnehmung des Ponys. Es gibt ihm vielmehr zusätzliche Information, wenn es selbst noch unsicher ist. Mit zunehmender Erfahrung kann aus dem zunächst übernommenen Vertrauen eine eigene Lernerfahrung werden: Ich habe mich auf eine unbekannte Situation eingelassen, bin nicht geflohen – und es ist nichts Bedrohliches geschehen.
Im Idealfall entsteht daraus mit der Zeit Resilienz. Das Pony lernt nicht, keine Angst mehr zu haben, sondern trotz anfänglicher Unsicherheit ansprechbar zu bleiben und eine neue Situation zu bewältigen.
Buschhof – Heimat des Gestüts Bönniger
Der Buschhof ist ein denkmalgeschützter Vierkanthof, zu dem auch ein ursprünglich freistehender Rübenschuppen gehört. Dieses Gebäude wurde inzwischen geöffnet und so umgestaltet, dass es unseren Ponys als großzügiger Laufstall dienen kann.
Damit verändert sich eine Hofanlage, die seit Jahrhunderten der Tierhaltung dient, erneut – diesmal als Antwort auf neue Anforderungen an Tierwohl und Weidehaltung.
Die mögliche weitere Ausbreitung des Wolfes in unserer Region stellt uns dabei vor eine besondere Herausforderung. Unsere Reitponys sollen möglichst viel Auslauf und Weidegang erhalten. Gleichzeitig tragen wir Verantwortung für ihren Schutz. Besonders bei jungen, alten oder gesundheitlich eingeschränkten Tieren müssen wir Risiken anders beurteilen als bei einer großen und geschlossenen Herde.
Deshalb entwickeln wir unsere Haltung weiter. Geschützte Laufställe und entsprechend gesicherte Weideflächen sollen den Ponys auch künftig möglichst viel Bewegungsfreiheit ermöglichen. Elektrische Schutzsysteme werden so gestaltet, dass sie für die Tiere selbst gut wahrnehmbar sind, damit ein erschrecktes Pony nicht gerade beim Versuch zu fliehen seine geschützte Fläche verlässt.
Dabei erleben wir allerdings ein Spannungsfeld verschiedener öffentlicher Interessen. Veterinärrecht, Tierwohl, Naturschutz, Landschaftsschutz und Baurecht verfolgen jeweils nachvollziehbare Ziele. In der praktischen Tierhaltung müssen diese Anforderungen am Ende jedoch auf derselben Weide und demselben Hof miteinander funktionieren.
Wir haben die politischen und rechtlichen Entscheidungen zur Rückkehr und zum Schutz des Wolfes nicht getroffen. Als Tierhalter müssen wir mit ihren Folgen umgehen. Das tun wir, indem wir versuchen, unsere jahrhundertealte Hofanlage und unsere Tierhaltung an eine erneut veränderte Umwelt anzupassen.
Dabei begegnet mir gelegentlich ein Gedanke, auf den ich selbst keine abschließende Antwort habe:
Der Wolf war aus unserer Kulturlandschaft über einen sehr langen Zeitraum verschwunden und darf heute als ehemals heimische Art zurückkehren.
Bei der Gestaltung unserer Hoflandschaft begegnen uns dagegen strenge Anforderungen an die Verwendung heimischer und gebietseigener Gehölze; andere Arten können trotz möglicher Standort- und Klimaeignung als unerwünscht gelten.
Vielleicht stellt sich deshalb für die Kulturlandschaft der Zukunft eine grundsätzliche Frage:
Wie lange muss etwas fort sein, bevor es nicht mehr zurückkehren darf – und wie lange muss etwas hier gelebt haben, bevor es bleiben darf?
Die Bäume auf dem Gestüt Bönniger (s.u.) wurden in den letzten 2 Dekaden für jedes unserer FEI Pony gepflanzt, welches erfolgreich bei der Europameisterschaft gestartet ist. Das waren bis Oktober 2019 achtundzwanzig Ponys also 28 Bäume. Bei diesen Bäumen haben wir jetzt vom Landschaftsverband Bestandsschutz erhalten, weil sie vor vor März 2020 gepflanzt wurden. Danach dürften keine unserer "Exoten" neu gepflanzt werden, sondern nur "heimische" Arten, die seit den letzten 150 Jahren genutzt wurden. Die Bäume, die wir jetzt im Bestand haben, wurden ausgewählt, weil sie besonders photogene Blätter und Blüten haben oder auch jene, die dank ihrer Tiefwurzeln mit wärmerem Klima und Trockenstress besser zurechtkommen. Die flachwurzelnden Bäume, die wir gemäß den Bauvorschriften pflanzen mussten und werden, haben daher einen Standort nahe dem Wasserhahn. Dahin haben wir auch Bäume und Sträucher mit schweren Maschinen vom Michael Florenz versetzt. Danke dafür.

Erinnerungen an die Umbauten und die Sanierung
Mit Zustimmung der Denkmalbehörde wurden die Dächer ertüchtigt, mit neuen Dachlatten und gehemigten Dachziegeln gedeckt. Das Denkmalamt hat allen Änderungen zugestimmt. Die Boxen für die Rasse Reitponys und Pferde wurden vergrößert und vom Veterinäramt genehmigt.






































































































